Im Gespräch: Jill Barbers Vorliebe fürs schwarze Gold

Dez 26th, 2012 | By | Category: Interview, Lead

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Die schlechte Nachricht zuerst. Mit ihr allerdings das Versprechen, dass es die einzige schlechte Nachricht in diesem Zusammenhang bleiben wird: Das schönste Weihnachtsalbum 2012 erscheint erst Ende Januar 2013. Aber erstens wird es wieder ein Weihachtsfest geben und zweitens ist Jill Barbers neues Album, musikalisch daheim im Jazz-Pop einer Brenda Lee, Doris Day oder Dusty Springfield, auch ohne Weihnachten ein hervorragendes Retro-Jazz-Album. Opulent mit Orchester und Band instrumentiert, umschifft es alle Schmalz-Klippen in diesen Gewässern auf so charmante Art, dass man eigentlich nur eines tun kann: Die Platte auflegen und genießen.

Während sich die junge, frisch verheiratete Kanadierin in ihrem neuen Haus in Vancouver auf ihr erstes Weihnachtsfest als Gastgeberin vorbereitet und durchs Küchenfenster in Richtung verschneite Berggipfel blickt, hat sie sich eine halbe Stunde Zeit genommen, um über ihre insgesamt fünfte Platte – die erste, die hierzulande erscheint – zu sprechen. Über die Bemerkung mit dem Weihnachtsalbum freut sie sich aufrichtig. Das sei ein Riesenlob, sagt sie. „Weihnachtsmusik ist für mich warme, seelenvolle Musik.“ Und schöner könnte man nicht beschreiben, was „Mischievous Moon“ (Ferryhouse Productions/Warner) bereithält.

Zu Beginn ihrer Karriere war die unter anderem mit dem „Juno Award“ ausgezeichnete Künstlerin allerdings eher im Folk Rock unterwegs. Jazz war derweil ihr Steckenpferd. In ihrer Studienzeit saß sie gern in einem Café, in dem ein Plattenspieler stand – und bald war sie Dauergast in Trödelläden, um nach Jazz-Platten aus den 1950ern und 1960ern zu stöbern. Auf dem neuen Album verleiht sie dieser Leidenschaft erstmals Ausdruck.

 

Wieso sollte jeder einen Plattenspieler haben?

Das ist eine gute Frage. Es gibt ja heutzutage viele Möglichkeiten, Musik zu hören. Ein MP3-File kann man immer dabei haben, CDs gibt es auch – aber Musik auf Vinyl ist immer noch eine ganz besondere Angelegenheit. Mich reizt dabei vor allem das analoge Gefühl dabei. Man muss die Platte auflegen, die Nadel aufsetzen und etwas tun, damit man Musik hören kann. Es ist auch ein Motor involviert. Ich finde Plattenhören ist eine sehr aktive Art und Weise, Musik zu hören.

Dann erübrigt sich die Frage nach dem Format ihrer Wahl?

Definitiv Vinyl. Ich bin eine Liebhaberin von Vinyl-Platten, das könnte man so sagen.

Diese Begeisterung hört man ihrem neuen Album an. Vom Singer-Songwriter-Rock der ersten beiden Platten ging die Reise dieses Mal in Richtung echter Vinyl-Musik, Swing und Jazz-Pop im Stil der Fünfziger und Sechziger Jahre. Woher kommt diese Neuorientierung?

Ich sehe mich auch heute noch Singer-Songwriterin. In den letzten Jahren bin ich aber durch eine Entwicklung geschritten. Als Teenager habe ich mir eine Gitarre geschnappt und komponiert beziehungsweise gesungen, was mir in den Sinn gekommen ist. Allein die Instrumentierung Stimme und Gitarre hat eine gewisse folky Grundstimmung erzeugt. Über die Jahre habe ich beim Singen meine weibliche Seite entdeckt und lasse sie schon länger in meine Musik einfließen. Mein Ziel ist, mein künstlerisches Können fortwährend weiterzuentwickeln und irgendwann auf ein unverkennbares Schaffenswerk zu blicken. Neu ist an dieser Platte, dass ich meine Einflüsse deutlich vor mir hertrage.

 Ist die Frage nach Ihren Einflüssen gestattet?

Selbstverständlich. Ich war immer schon von starken, kräftigen Frauen begeistert. Etta James oder Edith Piaf zum Beispiel. Aber auch von Männern: die Wärme von Nat King Cole und die ungewöhnliche Kraft von Little Jimmy Scott. Letzterer ist ein eher unbekannter Sänger. Körperlich ein sehr kleiner Mann, aber mit einer Stimme, die eher an eine starke Frauenstimme erinnert. Sie ist dabei so unglaublich emotional, dass sie mich immer wieder begeistert.

Sie reizt also die Kontroverse…

Das ist richtig. Die besten Sänger, wenn es nach meinen Maßstäben geht, vermitteln eine Kombination aus Verwundbarkeit und Selbstvertrauen. Anders gesagt: Die besten Sänger sind selbstbewusst genug, ihre Verwundbarkeit zu zeigen. Das ist es, was ich auch versuche zu erreichen. Ich denke, ich bin diesmal so weit gekommen, diese Vertrautheit umzusetzen, die sich zum Beispiel bei Konzerten zwischen mir und dem Publikum ergibt.

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Jill Barbers neues Album „Mischievous Moon“ erscheint am 23. Januar 2013.

Fragen: Christoph Ulrich, Fotos: Ferryhouse Productions.

www.jillbarber.com

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