Williams Wetsox Trio: Vom Reiz des Unkomplizierten

Jul 14th, 2012 | By | Category: Lead, Musik

Regionale Erzeugnisse haben Mehrwert. Dass diese nicht neue und doch richtige Erkenntnis gilt, beweist der Huglfinger Mundart-Blueser Williams Fändrich seit den frühen achtziger Jahren. Bei ihm kommt sogar der Blues „aus der Hoamat“, womit weitläufig das Ammertal gemeint ist. Nach vier LPs, sieben CDs und bisweilen bis zu hundert Auftritte im Jahr hat sich der 60-Jährige eine Auszeit von seinem Quartett gegönnt. Momentan tourt er in Triobesetzung, dem der 26-jährige Schlagzeuger und Wahlhuglfinger Alex Bartl und der 21-jährige Organist Mario Fix aus Peißenberg angehören. Auf der ersten CD des „Williams Wetsox Trio“, ist außerdem der Dießener Saxofonist Michael Lutzeier zu hören.

„Nach so vielen Jahren braucht man schon einmal eine Pause“, sagt Fändrich freundlichen Tonfalls, und verweist zugleich auf die Vorteile einer kompakten Formation: „Zu dritt hat man lang nicht so viel Aufwand, und verdient ist auch mehr – vor allem in kleinen Clubs“. Wobei der finanzielle Aspekt natürlich nicht im Vordergund stehe, beeilt er sich zu versichern. Wobei man vollstes Verständnis hätte dafür, immerhin machen Live-Konzerte die Hauptverdienstquelle der Band aus. „Vergangenes Jahr waren es 60, in diesem Jahr werden es vielleicht 50 Auftritte“, fasst der Huglfinger zusammen. „Auch wenn es keine hundert mehr im Jahr sind, sind Konzerte schon weiterhin unser Metier.“

Ein Fakt, den man auch der CD mit dem „da Fisch springt aus’m Wasser“ aufs Allerdeutlichste anhört. Nicht nur die junge Musiker geben der raubeinigen Wetsox-Variante von Blues – die übrigens immer noch die beste Adaption des Südstaaten-Ur-Blues fernab der Originalsprache ist – gehörig Zunder. Auch die hauptsächlich im Jazz verwendete Besetzung Gitarre/Bass/Orgel eröffnet Fändrich offenkundig neue Möglichkeiten: So rhythm’n’bluest „Alle meine Freind“, ein Song den Wetsox 25 Jahre lang nicht mehr gespielt haben, jugendlich ungestüm daher, „Krokodilas“, ein Cover vom ersten Bayernblueser überhaupt, Peter Jacobi, spannt mit reichlich unterschwelligem Schwung im Hinterteil den Bogen von Landler zu Latin und der nagelneue Song „Scheibum“ hat – auch Dank der Klasse von Solist Lutzeier – waschechtes Hitpotential. Berührungsängste oder gar Generationskonflikte haben die drei übrigens weder musikalisch noch zwischenmenschlich: „Wir verstehen uns wunderbar, musikalisch sowieso, und auch sonst“, erklärt Fändrich. Kennengelernt habe der die Jugendlichen auf Sessions. „Privat haben wir naturgemäß eher wenig miteinander zu tun und wenn wir unterwegs sind, reden die zwei natürlich miteinander mehr als mit mir“, ergänzt er. Und lacht hintersinnig: „Aber das ist mir nur recht.“

Nicht nur inhaltlich spielt die Musik im Oberland, auch die Erzeugung ist regional von statten gegangen: Zehn Songs sind live vor Publikum eingespielt worden, aufgenommen im November vergangenen Jahres vom Weilheimer Musiker und Tontechniker Robin Auld. Orte des Geschehens waren Fähndrichs musikalische Heimat, die „Waldstraße 4“ in Huglfing, sowie der „Wangerbaur“ in Painhofen. Fünf neue Titel hat Stefan Stoppok in seinem Issinger Studio aufgenommen; das CD-Cover designte Schlagzeuger Alex Bartl, das Schriftdesign übernahm der Weilheimer „Greither 9“-Wirt und Blues-Spezialist Rob Lange.

Eine hochwertige Gegend, in der solch‘ eine Sache entstehen kann! Und man hört der Platte die Freude und Vitalität an, die ihre Entstehung ausgelöst hat. Ein echter Mehrwert in Zeiten ewiggleichen Radio-Gedudels.

 

Williams Wetsox Trio: „da Fisch springt aus’m Wasser“

BSC Music/Rough Trade

29. Juni 2012

Bezug: www.bscmusic.com

 

Text: Christoph Ulrich, erschienen im Kulturteil des Weilheimer Tagblatts. Fotos: BSC Music, wetsox.de.

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