Dagmar Galleithner: Zuhause in Oberbayern und Kalifornien

Mrz 8th, 2012 | By | Category: Porträt

Mit Dagmar Galleithner kann man sich ganz hervorragend über Gott und die Welt unterhalten. Vor allem aber, wenn die Rede auf die Themen „Kunst“ und „Heimat“ kommt, geht der 36-Jährigen das Herz auf. Kein Wunder, schließlich verfügt die in Huglfing wirkende Tiermalerin nicht nur über einen außergewöhnlichen Beruf, der ihr Leben um zahlreiche Geschichten bereichert. Sie kann auch zwei Plätze „Heimat“ nennen: Der eine liegt diesseits, der andere jenseits des Atlantiks.

Die naheliegendste Frage zuerst: Wie wird man eigentlich Tiermalerin – oder, um es korrekt auszudrücken, freischaffende Kunstmalerin mit Schwerpunkt auf Pferde- und Hundemalerei? „Mit einer Mischung aus bayerischem Dickschädel und Glück“, antwortet Galleithner kokett und zeigt die makellosen Zähne. Immerhin habe sie einst den Versuch unternommen, etwas „Anständiges“ zu lernen, schmunzelt sie – wenn auch aus Rücksichtnahme auf die elterlichen Wünsche.

So schrieb sie sich 1995 mit dem Weilheimer Gymnasialabschluss in der Tasche, an der FH München für Architektur ein. „Nachdem ich aber in Kunstgeschichte und Landschaftsarchitektur Jahrgangsbeste war und im Hauptfach quasi zu nix zu gebrauchen“, so Galleithner, „habe ich es mit Amerikanischer Kulturgeschichte an der LMU versucht. Aber nur, weil ich mir in dem Studiengang viel Zeit zum Malen ausgerechnet habe.“ Gemalt habe sie quasi schon immer, und „von Pferden umzingelt“ war die passionierte Reiterin ebenfalls – ergo war das bevorzugte Sujet schnell gefunden. Beim Lernen ihrer Kunst sei sie genauso vorgegangen wie beim Reiten oder Snowboarden: „Drauf stürzen, die Zähne zusammenbeissen und los geht’s.“

Dieser Weg erscheine ihr nach wie vor als der einzig wahre: „Natürlich geht es bequemer, aber danach kann man es wenigstens wirklich.“ Als ihr größtes Vorbild nennt sie den französischen Impressionisten Auguste Renoir, „weil bei dem im Gegensatz zum viel beliebteren Monet bis ins kleinste Detail alles stimmt – und seine Bilder so aus der Nähe und aus der Weite wirken“.
Die Initialzündung, die Malerei zum Brotberuf zu machen, gab der erste Auftrag. Der kam nämlich vom Tierarzt der Rennbahn Daglfing höchstpersönlich. Als Studentin half Galleithner dort einem Freund der Familie, der Trabrennpferde züchtet, aus. Sie ritt unter anderem Rennpferde zu, um sie für deren Zukunft als Freizeitpferd nach dem Karriereende vorzubereiten. Während der Pausen malte sie die Tiere und wurde dabei vom Tiermediziner beobachtet.

Um’s kurz zu machen: Dem einen Auftrag folgten zwei vom ersten Trainer der Gallopprennbahn – der Rest ist (Erfolgs-)geschichte. Über ihre Internetseite kam der Betreiber einer Ranch in Kentucky auf Galleithner. Er ließ die mittlerweile wieder in Huglfing Lebende Entwürfe für ein neue Jockey-Trikots liefern. Aus der Arbeitsverbindung wurde eine bis heute bestehende Freundschaft, die weitere Aufträge und Einladungen auf die großen Renn-Events der Welt bescherte. So reiste Galleithner zu den Derby-Days in Kentucky, stellte im Hollywood Park bei Los Angeles aus, fuhr zum Royal-Ascot-Rennen in England oder nach Dubai und brachte von dort Kontakte und weitere Aufträge nach Hause. Ihren Durchschnittskunden beschreibt sie so: „Ein Trainer, der dem Pferdebesitzer ein passendes Geschenk machen möchte, fordert ein Gemälde von dem wertvollen Tier an.“ Die andere Hälfte des Auftragsvolumens kommt derweil von Hundebesitzern, die ihr Tier porträtiert haben möchten.

Trotz internationaler Aufträge lebt die sportliche 36-Jährige nach wie vor in Huglfing – allein in einem Haus unweit ihrer Eltern. Das Haus teilt sie sich mit Hündin „Lina“ und arbeitet dort an ihren Bildern. „Die Stadt funktioniert für mich nicht, das habe ich während des Studiums herausgefunden.“ Der andere Grund ist die starke Verbindung zur Familie. „Sie haben mich immer unterstützt, egal was ich gemacht habe“, sagt sie. Vor allem mit ihrer vier Jahre jüngeren, einzigen Schwester Barbara pflegt sie ein inniges Verhältnis. „Sie ist meine beste Freundin – gekommen ist das durch die USA-Aufenthalte als Kinder.“
Womit man beim zweiten Aspekt angelangt ist, der Galleithner auszeichnet. Ihr ambivalentes Heimatgefühl. „Heimat ist natürlich ganz klar Bayern“, sagt sie bestimmt. Doch schlage auch ein amerikanisches Herz in ihrer Brust. Erstmals 1983 führte der Beruf des Vaters Hans Galleithner die Familie für ein Jahr nach Kalifornien. Der DLR-Ingenieur wurde damals eingeladen, im Auftrag des US-Flugerprobungszentrums „AFFTC“ an der Edwards-Air-Force-Base mitzuarbeiten. Ziel: Die Flugerprobung der US-Kampfflugzeuge F15 und F16.

Die alteingesessene Huglfinger Familie zog für ein Jahr nach Tehachapi, wo Tochter Dagmar nicht nur die Grundschule besuchte, sondern sich auch dank sprachlicher Auffassungsgabe akzentfreies US-Englisch zulegte. Durch die Mutter Christa trainierte sie mit vielen Büchern weiterhin ihre Muttersprache. Von 1990 bis1992 zog die Familie erneut nach Kalifornien: diesmal nach Quartz Hill, gelegen zwischen Los Angeles und Barstow.

„Das war die beste Zeit meines Lebens“, sagt sie über ihre Zeit als amerikanisches High-School-Girl: Ausgezeichnetes Mitglied des Tennis-Doppelteams, nachmittags in der Mall anzutreffen, und stets auf Achse mit Schwester Barbara. Originär amerikanischen Kindheitserlebnissen wie dem morgendlichen Fahneneid, Ausflüge nach „Disneyland“ und Sommerzeltlager inklusive Marshmallow-Grillen über offenem Feuer paaren sich in ihren Kindheitserinnerungen mit unbeschwerten Tagen in Huglfing.
Ein reizvoller Kontrast, wie sie findet. „So richtig daheim ist man zwar nirgends“, sagt sie nachdenklich. „Das ist aber kein Nachteil.“ Ihr Beruf ermögliche ihr außerdem ein Leben zwischen den Welten. Momentan weilt Dagmar Galleithner übrigens in Los Angeles. Diesmal aber nicht zum Arbeiten. „Zum Urlaubmachen und Freundebesuchen“, sagt sie. Man könnte auch sagen: zur Heimatpflege.

 

Erschienen im Weilheimer Tagblatt.

Tags: , , , , , , , , , , ,

14 Comments to “Dagmar Galleithner: Zuhause in Oberbayern und Kalifornien”

  1. Third Flower

    My wife and that i have been now delighted that Albert could perform his research as a consequence of the ideas he had via your online page. It is from time to time perplexing to simply always be giving away measures which some people might have been o…

  2. The Absent Game

    In between me and my husband we’ve owned extra MP3 players over time than I can count, including Sansas, iRivers, iPods (traditional & touch), the Ibiza Rhapsody, etc. But, the last few ages I’ve settled down to one line of players.

  3. Thorn of Girl

    Excellent facts could be found on this internet blog.

  4. Healing’s Dragon

    to discover issues to boost my web-site!I suppose its ok to create use of a couple of of one’s concepts!!

  5. The Silent Shard

    This may possibly be rather handy for many of your jobs I want to never only with my blog but

  6. The Absent Game

    Concerning me and my husband we have owned additional MP3 gamers over the years than I can count, together with Sansas, iRivers, iPods (classic & touch), the Ibiza Rhapsody, etc. But, the last few many years I’ve settled down to one line of players.

  7. The Slave of the Husband

    Looking for forward to learning further from you afterward!…

  8. kangen water sagt:

    Healing’s Dragon

    to locate troubles to enhance my website!I suppose its ok to produce usage of a couple of of one’s principles!!

  9. The Silent Shard

    This may most likely be very practical for some within your job opportunities I want to you should not only with my web site but

  10. parking sagt:

    The Absent Game

    Among me and my husband we have owned extra MP3 players over time than I can count, together with Sansas, iRivers, iPods (classic & touch), the Ibiza Rhapsody, etc. But, the last few many years I’ve settled down to one line of gamers.

  11. Woman of Alien

    Fantastic operate you have accomplished, this page is really awesome with wonderful data. Time is God’s method of keeping every thing from going on at the same time.

  12. car parking sagt:

    Thorn of Girl

    Superb data is often found on this online blog site.

  13. The Ships’s Voyages

    I believe technology just makes it even worse. Now there’s a channel to in no way treatment, now there would not be a prospect for them to find out.

  14. The Slave of the Husband

    Searching for in advance to learning excess from you afterward!…

Leave a Comment

You must be logged in to post a comment.