Bryan Adams: Bare Bones

Dez 1st, 2011 | By | Category: Musik

Ja, muss das denn auch noch sein? Dass der kanadische Breitenpop-Rocker Bryan Adams mit einem Akustik-Album vor der Tür steht. Nachdem sein 1997er Unplugged-Album zu einem der meistverkauften der Musikgeschichte gehört, ist ein Fakt und somit wirkt das 2010er „Bare Bones“ auf den ersten Blick einfach nur unsympathisch geschäftstüchtig. Entstanden ist es im Rahmen einer gleichnamigen Tour, auf der Adams seine Hits nur mit Gitarre, Klavier und Mundharmonika darbot – und natürlich stadienweise begeisterte. So gesehen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es von der Tochter über die Oma, vom Neffen bis hin zum entfernten Vetter alle kaufen, sehr hoch. Und so gesehen dürfte die Prognose, es könnte an den Erfolg des ersten Unplugged-Albums anknüpfen, nicht besonders gewagt…

Soweit die Vorurteile. Und wo die Songauswahl nicht besonders überrascht – jawohl, es sind wirklich alle, ALLE Hits drauf. Vom Bodyguard-Titelsong „Everything I Do“ bis hin zum unvermeidlichen „Summer Of ’69“ oder dem noch unvermeidlicheren „Heaven“ ist alles druff, was man halt so erwartet. Was man aber nicht erwartet, ist Bryan Adams‘ Art und Weise, manche eigentlich totgenudelten Songs zu interpretieren. Fast so, als hätte er selber die Schnauze voll davon, befreit er „I’m Ready“ vom kriminell schmierigen Schmalz, versetzt den Song mittels Honky-Tonk-Piano in die Kneipe und gewinnt ihm eine Seite ab, die wahrscheinlich nur er kennt: die Ur-Version, bevor sich ein monetär besonnener Produzent drüber hergemacht hat. Oder „The Right Place“ erscheint einfach nur als guter Acoustic-Rocker und wer sagt, dass Bryan Adams grundsätzlich unsympathisch ist, der höre „Please Forgive Me“ an, in dem er sich selbst gehörig hochnimmt und dem Gelächter nach zu urteilen ziemlich nennenswerte Entertainerqualitäten aufweist.

So weit man auch davon entfernt sein mag, dieses Album als nötig, künstlerisch wertvoll oder horizonterweiternd zu betrachten, wünscht man sich doch, Adams würde sich seiner Anfangsjahre besinnen und, wenn er schon mit dem Fluch geschlagen ist, Radiohits zu schreiben, sie wenigstens in Zukunft unplugged aufzunehmen und ihnen den Dreck unter den Nägeln zu lassen.

Universal / www.bryanadams.com

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