The Stories & Tenside: Die hehren Hallen des Popgeschäfts

Okt 31st, 2011 | By | Category: Musik
Zwei Bands aus der Gegend um Weilheim herum sorgen derzeit bundes- oder sogar europaweit für Aufhorchen: „The Stories“ aus Schongau und „Tenside“ aus Dießen, die ihre Wurzeln in Peißenberg haben. Angesichts zweier erfolgreicher und vielbeachteter Veröffentlichungen in diesem Jahr ist es höchste Eisenbahn für ein Gespräch.
The Stories
Die Schongauer Lucas Härtel, Lukas Gnettner, Manuel Süß, Marco Sedlacek sind unter ihren klangvollen Pseudonymen Vincent Jetset, Zosimo Palestrina, Rufus Trafalgar und Dorian Morley seit 2004 als „The Stories“ unterwegs, nach ihrer EP Minutes Of Animation (2005) und dem Album Scapegoat Ballet (2008) haben sie in diesem Frühjahr den von Kritikern gelobten Nachfolger Vainforest herausgebracht. Aufgenommen wurde er in Schongau, gemischt und gemastert von Jason Livermore, der schon für Granden wie Rise Against oder NoFX arbeitete, in Los Angeles. Lucas Härtel hat sich Zeit genommen.
Die neue Platte ist halb in Schongau und halb in Los Angeles) entstanden. Wie viel Schongau, wie viel Kalifornien steckt drin?
Ganz viel Lederhosen-Liedgut aus dem Altlandkreis und noch mehr reife Orangen, frisch vom Strand in Kalifornien. Das ergibt dann diese melancholisch-süß-säuerliche Grundstimmung auf dem Album… Im Ernst: Aus Kalifornien kommt vor allem die Technik und das Know-How beim Mischen und Mastern. Unsere Songs, das Kernstück sozusagen, sind wir mit unseren Einflüssen, Gefühlen plus (oder minus) unserem musikalischen Können.
Ihr seid mit der neuen Platte einen ordentlichen Schritt weg vom Hives-artigen Trockenrock hin zum eigenen Stil – inklusive mehrstimmiger Vocals à la Rooney oder Phantom Planet. Welche Platten habt ihr während des Entstehungsprozesses gehört?
Da die Entstehungszeit über ein halbes Jahr gedauert hat, kann ich mich jetzt ehrlich gesagt nicht genau erinnern was wir alles gehört haben. Da wir uns mit unterschiedlichster Musik beschäftigen, war es wahrscheinlich eine vernünftige Bandbreite von Jazz über alle Spielarten der  Gitarrenmusik bis zu Elektronischen Klängen. Die Frage, inwieweit man musikalisch in eine bestimmte Richtung gehen will, inspiriert von gleichartigem Sound, ist ja oft einfach nur gefühlsmäßig bestimmt, weil man auf der Suche nach einer passenden Ausdrucksweise für ein Stimmung oder eine Emotion ist.
Vergleichsweise süffige Melodien und dicke Gitarren statt Ecken und Kanten – wie sehr liebäugelt ihr mit dem kommerziellen Erfolg?
„Liebäugeln“ würde ja bedeuten, dass da ein „Gegenüber“ wäre, mit dem man es könnte. Bis jetzt hat uns der „kommerzielle Erfolg“ allerdings noch nicht einmal mit dem Arsch angeschaut. Aber sicher wäre es nett, wenn sich das Ganze irgendwann nicht nur gefühlsmäßig lohnen würde. Die eher rundere, fettere Produktion hatte sich für uns eigentlich bereits vor dem Einspielen allein durch das vorhandene Songmaterial abgezeichnet und wurde dann durch das Mastering nur noch hervorgehoben.
Wie leistet man sich so einen prominenten Produzenten?
Dafür spielt man entweder oft, verschleudert seine Seele oder einen gleichwertigen Gebrauchtwagen, zieht private Geldgeber heran oder alles, oder nichts von Alledem. Wenn man so etwas möchte, steht man immer vor der Entscheidung: „Machen wir das jetzt, auch wenn möglicherweise kein Mehrwert dabei herausspringt, außer dem bisschen Gewissheit, es im Rahmen der Möglichkeiten wenigstens anständig probiert zu haben? Also macht man es einfach…
Was müssen The Stories unbedingt schaffen?
Wir wollen auf jeden Fall den Sprung auf größere, internationalere Bühnen in Angriff nehmen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Da wir quasi schon am Material für das dritte Album tüfteln, ist das – und die anstehenden Konzerte – unsere Agenda für die nächste Zeit.
Tenside

„Tenside“ haben ihre Wurzeln in Dießen, wo auch die Alben My Personal War (2007), Mental Satisfaction (2008), Tear Down Your Fears (2009) und schließlich Chain Reaction entstanden sind. Daniel Kuhlemann, Tobias Leitner, Louis Weber und Martin Rupp freuen sich laut Plattenfirma über „gute Albumverkäufe“, aber noch mehr über eine „sehr gute“ Tour mit den Genregrößen „Pro Pain“ im Frühjahr. Daniel Kuhlemann hat sich Zeit genommen.

Zwischen der Bandgründung in der Wirtschaftsschule Oberland in Peißenberg, und dem neuen Album liegen sechs Jahre, zwei Europa- und drei Deutschlandtouren. Was hat sich verändert?

Damals haben wir als Schülerband angefangen und mit der ganzen Bandgeschichte losgelegt. Es hat sich auf jeden Fall zu etwas Richtigen entwickelt. Wir spielen immer noch in der ursprünglichen Besetzung zusammen, und es läuft für uns ganz gut – obwohl das Musikbusiness kein leichtes Geschäft ist. Verändert hat sich vor allem, dass wir jetzt richtig auf Tournee gehen, regelmäßig Konzerte und Festivals spielen.

Verändert hat sich auf jeden Fall auch Eure Musik: Von NuMetal à la Limp Bizkit hin zum eigenständigen Knochenbrechersound mit Gefühl. Sind euch die Fans aus den Anfangstagen noch treu?

Damit hast du auf jeden Fall Recht, die Musik hat sich verändert. Ich finde das auch wichtig, dass man sich musikalisch weiterentwickelt. Es gibt Bands, die klingen auf jeden Album völlig gleich. Wir klingen auf jedem Album total anders, was uns aber sehr wichtig. Mittlerweile hat das Ganze aber auch seine Eigenmarke bekommen und gewisse Trademarks gehören einfach zu unserem Sound, die wir auch nicht vernachlässigen. Wir haben auf jeden Fall noch so einige Fans aus den Anfangstagen – aber es kommen auch ständig neue dazu, was uns natürlich sehr wichtig ist.

Mit Christoph von Freydorf (Emil Bulls) habt ihr einen prominenten Gast auf dem Album: Wie war die Zusammenarbeit mit ihm und wie kam’s?

Ich bin ein absoluter Fan davon, auf einem Album immer ein, zwei Gäste zu haben, die etwas beisteuern. Als ich die Lyrics für den Song „Violet World“ fertig hatte, dachte ich mir, das ist genau die Nummer, auf die ein Gastsänger super passen würde. Zu dem Song ist mir direkt Christoph von den Emil Bulls eingefallen, also habe ich ihn angerufen ein Demo geschickt. Ihm hat die Idee auch gefallen und dann standen wir auch schon ein paar Wochen später im Studio.

Ist „Tenside“ eigentlich schon Job oder „noch“ Hobby?

Derzeit auf jeden Fall ein Job! Aber es ist viel mehr als das. Die Band ist Job, Leidenschaft und Hingabe, alles in einem. Heutzutage ist das Musikbusiness sehr schwer geworden, daher ist es absolut wichtig, dass jeder trotzdem eine ordentliche Ausbildung hat, sei es eine Lehre, ein Studium oder was anderes. Man weiß nie was als nächstes kommt und deshalb ist zweigleisig fahren, solange es möglich, ist auf jeden Fall eine gesunde Entscheidung.

Was sind Eure Pläne für die Zeit nach „Chain Reaction“ und den dazugehörigen Touren?

Wir sind von unserer vierwöchigen Europatournee zurückgekommen und haben Konzerte in Deutschland, Holland, Belgien, Tschechien und Polen gespielt. Jetzt, im Sommer, stehen noch einige Festivals an, bevor es dann im Herbst und Winter mit Auslandstouren weitergeht. Auf jeden Fall wird das restliche Jahr also für Konzerte genutzt werden und dann werden wir weitersehen, was die Zukunft so bringt.

 

Die Interviews sind in voller Länge auf der Jugendseite im Weilheimer Tagblatt, im Penzberger Merkur und in den Schongauer Nachrichten erschiehen. Fragen: Christoph Ulrich

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