Nicole Tafertshofer: Zufriedenheit als Lernziel

Aug 9th, 2011 | By | Category: Porträt

Zufriedenheit. Dieses Wort fällt oft, wenn Nicole Tafertshofer von sich erzählt. „Wenn man auf dem Land aufwächst, lernt man das Zufriedensein“, sagt sie zum Beispiel. Oder über sich selbst: „Ich bin einer dieser Menschen, die zufrieden sein können mit dem, was sie haben.“ Die 33-jährige Diplom-Sozialpädagogin sitzt in der Küche des Weilheimer Jugendhauses „Come in“ und gibt Einblick in ihr bisheriges Leben und ihre Karriere – und, warum sie dem Jugendhaus bis zur Rente erhalten bleiben möchte.

Es sind drei Gesichtspunkte, unter denen man ihr Leben betrachten kann: der berufliche, der sportliche und der etwas strikter gehütete, private. Alles beginnt 1978 in Peißenberg, wo sie als Tochter von Rosemarie und Helmut Kustermann geboren wird. Auf die Grundschule folgt das Weilheimer Gymnasium, das sie nach der achten Klasse in Richtung Realschule verlässt. Danach absolviert sie die Fachoberschule (Fachrichtung Soziales). Ihre Berufswünsche wechseln mit den Schulformen: aus „Lehrerin“ (Sport, Englisch) wird „Polizistin“ – Fächer wie „Psychologie“ und „Pädagogik“ wecken das Interesse an der sozialen Arbeit. Nach einem kurzen Abstecher in die Welt der professionellen Fotografie besinnt sie sich auf ihre intensivsten Vorlieben und bewirbt sich bei der Ökumenischen Sozialstation Peißenberg für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), das ausschließlich positive Erinnerungen hinterlässt.

„Ich war in der Kurzzeitpflege, bei „Essen auf Rädern“ oder auf Freizeiten mit Behinderten eingesetzt“, erzählt Tafertshofer. „Dabei ist mir klar geworden, wie viele Seiten der Beruf ,Sozialpädagogin’ hat.“ Sie ist durchaus verwundert über das Ergebnis ihrer beruflichen Suche: „Grundsätzlich bin ich eher introvertiert, und brauch’ ein bisschen, bis ich mit Leuten warm werde.“ Während ihres Studiums an der Katholischen Stiftungsfachhochschule Benediktbeuern – genauer gesagt, während ihres Praxissemesters in Ulm, wo sie mit substituierten Drogenabhängigen arbeitete –, räumt sie aber alle Zweifel aus dem Weg und ist nun, nach sieben Jahren im Beruf, mehr als zufrieden. „Ich möchte nichts anderes machen“, sagt sie. Die Arbeit mit den Jugendlichen, ob an ihrer ersten Arbeitsstelle, den Weilheimer SOS Kinder- und Jugendhilfen, oder nun im „Come in“, sei ihr Erfüllung und lasse Freiraum für ihre sportlichen Unternehmungen und, wichtiger, für die Familie.

Womit Punkt zwei angeschnitten wäre: der Sport. In jüngerer Vergangenheit gingen Tafertshofers Triathlon-Leistungen beim „Post SV“ durch die Presse, viel raumgreifender ist allerdings ihre Karriere als Fußballerin, deren Grundstein sie im Alter von 10 Jahren legte. „Schuld daran ist mein Bruder Helmut, der mich überall hin mitgenommen hat“, sagt sie halbernst. Zwar habe sie, die kleine Schwester, auf dem Weg zur Bushaltestelle einen „Sicherheitsabstand“ zu ihm einhalten müssen – Fußball habe sie trotzdem mit seiner Clique spielen dürfen. „Mein Freundeskreis waren immer Buben“, sagt sie, „und wir waren immer draußen unterwegs, bei jedem Wetter“. Ihre Begeisterung für Bewegung verhalf ihr innerhalb kürzester Zeit zu größeren Erfolgen, denen die Schule übrigens manchmal untergeordnet war. Gymnasiallehrer, die sie wegen ihres bayerischen Dialekts und ihrer Peißenberger Herkunft abkanzelten („Heute würde das unter Mobbing laufen“), trugen das Ihre zum Schulwechsel bei. Doch mit derartigen Gedanken hält sich Tafertshofer nicht lang auf.

„Am 3. Juni 1988 habe ich mein erstes Spiel für die Peißenberger E-Jugend gespielt“, erinnert sie sich. „3:2 gegen Peiting“, fügt sie an und erst zögerlich verrät sie, dass sie dabei „als das neue Mädchen in der Bubenmannschaft“ gleich mal zwei Treffer besteuerte. Es folgten Jahre als Stürmerin beim SC Böbing und ASV Eglfing und später, während ihrer Zeit in Ulm, beim SV Jungingen in zweithöchsten Liga bundesweit. Auch das Leben geriet stürmisch: „Das waren großartige Jahre, vor allem um die Abizeit herum. „Das waren großartige Jahre, vor allem um die Abizeit herum. Party, Weggehen…“, erzählt sie – und gibt zu, dass sie auch deshalb zwei Angebote der FC Bayern-Talentscouts ausschlug: „Erstens bin ich Löwen-Fan“, grinst sie, und fügt an: „Und zweitens hätten mir drei Mal die Woche Training in München die Freiheit genommen.“ Damit offenbart sie einen wesentlichen Charakterzug. Die 33-Jährige lebt im Hier und Jetzt, und genießt, was sie hat. Und zum Genuss gehört der richtige Rahmen.

Das passende Umfeld für ihr privates Glück fand sie in Huglfing, wo sie mit ihrem Mann Schorsch und den Kindern Moritz (geb. 2006) und Lena (geb. 2008) im Eigenheim wohnt. Im Herzen ist sie aber Peißenbergerin geblieben, und getreu dem elterlichen Vorbild bescheiden. „Klar hätte es auch ein Haus am Gögerl in Weilheim sein dürfen, aber wir wollen nicht unser Leben lang für ein Gebäude arbeiten – wir wollen was von unserem Leben und Zeit für die Familie haben“.

Das ist übrigens auch der Grund, wieso sie das Angebot der Stadt, die Jugendhaus-Leitung zu übernehmen, ausgeschlagen habe. „Dafür hab’ ich zugesagt, dass ich bis zur Rente meine Teilzeitstelle im Jugendhaus behalten will“, lacht sie. Die flexiblen Arbeitszeiten passen gut zum Schichtdienst ihres Mannes bei der Polizei und lassen mir Raum für Sport.

Ihre sportliche Begeisterung gibt sie auch an die Jugendhausbesucher weiter. Sie trainierte eine Gruppe für den Weilheimer Au-Lauf. „Man kann Freude am Sport nicht lehren“, sagt sie, „man muss sie vorleben“. Vermutlich lernen die Weilheimer Jugendhaus-Besucher auf diesem Weg auch noch, was Zufriedenheit bedeutet.

Erscheinen am 17. Juni im 2011 in Weilheimer Tagblatt und Penzberger Merkur, Foto mit freundlicher Genehmigung von Emanuel Gronau (www.foto-gronau.de).

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12 Comments to “Nicole Tafertshofer: Zufriedenheit als Lernziel”

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