Sonnenrot (1): Dampfiger Hip Hop krönt gelungenen ersten Festivaltag

Jul 16th, 2011 | By | Category: Festival, Musik

Die gute Nachricht ist, dass es keine außergewöhnlichen Nachrichten gibt: Es war ein ganz normaler erster Sonnenrot-Tag. Ein schöner, sogar. Und das sind beste Nachrichten für eine, sagen wir, vom Wetter nicht gerade verwöhnte Open-Air-Reihe, die in ihrer Geschichte von schweren Gewitterstürmen bis hin zu Starkregenfeldern so ziemlich mit allen Kapriolen zu kämpfen hatte, die ein süddeutscher Sommer auf Lager haben kann. Am Freitag, 15. Juli 2011, ließen die Traunsteiner Veranstalter also nun eine neue Auflage am schönen Echinger Weiher vom Stapel und dürfen sich getrost auf die Schulter klopfen.

Bei angenehmen Temperaturen (nicht zu warm und nicht zu kalt) feierten circa 6000 Besucher zu handverlesenen Indie-Acts und kultigen Klassikern auf dem idyllisch gelegenen Festivalgelände in Eching bei München. Herausragend für ein Open Air dieser Größe ist die bemerkenswert gute Stimmung dort, die auf dem nur scheinbar kleinen Gelände glatt familiäre Atmosphäre aufkommen lässt. Acts wie Cypress Hill oder The Ting Tings unterstreichen aber den Anspruch des Festivals, in der Oberliga der Indie-Abteilung mitspielen zu wollen – und zu können.

Höhepunkt des ersten Tages war zweifelsfrei die Headliner-Show der Hip-Hop-Granden Cypress Hill aus Los Angeles. Während am Nachmittag noch zweifelnde Stimmen zu hören waren, nach denen Cypress Hill heute lediglich noch unter „sollte man mal gesehen haben – aber eigentlich furchtbar veraltet“ zu verbuchen seien, straften Sen Dog, B-Real, DJ Muggs und Percussionist Eric Bobo solche Zweifler Lügen. Tight und kein bisschen altbacken hüpften die vier Durchschnitts-Vierziger auf der Bühne umher und ballerten der feiernden Menge Klassiker um Klassiker um die Ohren. Selbst nach eineinhalb Stunden ging ihnen der, ähem, Stoff nicht aus und schließlich hinterließen sie eine glücklich dampfende, müde Menge in die Nacht. Müde, denn Cypress Hill waren nicht die einzige Band, die quasi zum Tanzen verpflichtete.

Zuvor hatten nämlich The Ting Tings groß abgeräumt, deren stylisher Electro-Pop-Rock mittels geschmeidiger Hooks und treibenden Beats punktete. Nicht nur „That’s Not My Name“, sondern auch Songs vom demnächst erscheinenden Album funktionierten prächtig und lieferten in ihrer Körperlichkeit einen schönen Kontrast zu den progressiven Jam-Rock-Eskapaden der norwegischen Rocker Motorpsycho, deren Reiz sich vor allem durchs Zuhören erschloss.

Bemerkenswert ist auch der Auftritt von Jennifer Rostock, auf Krawall gebürstete Deutschpoppunkrockband aus Berlin. Frontfrau Jennifer Weist bewies ein gerüttelt Maß an Entertainerqualitäten und wusste sogar erklärte Skeptiker mittels guter alter Rockkonzert-Spielchen und ein bisschen Lasziv-Show in den Bann zu ziehen. Kettcar, renommierte Indie-Rocker aus Hamburg, verströmten allerlei gute Gefühle – und die Hymne „Landungsbrücken raus“ übers Ankommen daheim enthält eine wunderbare Zeile, die auch auf den ersten Sonnenrot-Tag, den ersten Sonnenrot-Sonnenuntergang, die erste Sonnenrot-Vollmondnacht und das Gesamtbild der friedlich feiernden Menge inmitten szenischer Natur passt: „dieses Bild verdient Applaus“!

Text: Christoph Ulrich, Fotos: Uli Knoll, Christoph Ulrich

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