Jugend & Suff: Ab und zu trinken ist ja okay, aber…
Aug 5th, 2010 | By Christoph Ulrich | Category: JugendDie wahre Geschichte einer „Leiterwagerl-Gang“ illustriert sehr schön, wie Schulabschluss und Sommer mit Saufen zu tun haben. Ein Gespräch mit Martin Gerl und Carina Mall über sommerliches Feiern – warum das ganz in Ordnung, und wo Vorsicht geboten ist.
Die drei Burschen und zwei Mädchen am Badestrand sind mittlerweile sowas wie alte Bekannte: Täglich gegen 11 Uhr kommen sie mit ihrem Schulabschluss-Shirt und einem Leiterwagerl, der darauf befindliche Kasten Bier erlebt die Mittagshitze nicht – am Nachmittag wird eine Flasche Wodka geleert. Am Abend geht’s mit frischer Wagen-Befüllung an den Grillplatz – und das jeden Tag. Wenn man davon ausgeht, dass die fünf auch gute Kundschaft auf den zahlreichen Stadl-, Kiesgruben- oder „Beach“-Partys im Sommer sind, muss man annehmen, dass sie eigentlich aus dem Trinken gar nicht mehr rauskommen.
Martin Gerl von der Psychosozialen Beratungsstelle der Herzogsägmühle mit Sitz in Weilheim findet es prinzipiell nachvollziehbar, dass man mit dem Schulabschluss in der Tasche auch mal feiert – wenn auch vielleicht nicht in dem Maße. Doch selbst wenn: Zu einer Alkoholabhängigkeit muss es nicht zwangsläufig kommen, wenn jemand zwischen Schulabschluss und Studium oder Lehre einigermaßen regelmäßig ins Glas schaut. Allerdings weist er auf so genannte Akut-Risiken hin, deren Vermeidung in seiner Erfahrung auch im Sinne der Jugendlichen selbst ist: „Es geht um akute Vermeidung von Problemen: Mit steigendem Alkoholpegel kann man seine eigene Situation und die von anderen nicht mehr richtig einschätzen“, so Gerl, „deswegen wäre es gut, wenn wenigstens einer nüchtern bleibt und im Notfall den Rettungswagen holen kann.“ Auch auf Ausfallerscheinungen oder „Seegang“ – unpassenderweise auf einem Steg am See – sollte man sich gefasst machen: „Ein Betrunkener liegt eben einfach schneller im Wasser.“ Ganz wichtig ist ihm auch: „Wenn man sich schon für Schnaps entscheidet: Pausen einlegen, und mit nichtalkoholischen Getränken abwechseln.“ Harter Alkohol wirke oft zeitverzögert, weswegen man den eigentlichen Pegel unterschätzt. „Auf einmal schlägt der Rausch ein und man ist betrunkener als man eigentlich sein möchte.“ Auch hier gelte: Aufeinander aufpassen und nicht durcheinander konsumieren. „Vor allem nicht kiffen und Alkohol trinken“, warnt der Berater, beide Substanzen sedierten den Körper, je nach Dosis könne man den Körper überfordern – ein Kollaps droht.
Seine Kollegin, die Streetworkerin Carina Mall, fügt hinzu: „Wodka und Koffein – gern in Form von Energy-Drinks – können durch unterschiedliche Wirkungsweisen den Stoffwechsel überfordern.“ Alkohol lasse den Stoffwechsel im Gehirn herunterfahren, Koffein rege ihn an. Wenn sich doch mal jemand übernehmen sollte, weist sie ausdrücklich auf Folgendes hin: Bevor etwas Ernsteres passiert, sollten sich Jugendliche nicht scheuen, Hilfe zu holen: „Sanitäter unterliegen wie auch Krankenhausärzte der Schweigepflicht – lediglich, wenn sie einen Hinweis auf eine Straftat wie Körperverletzung haben, müssen sie die Polizei einschalten.“ Der befürchtete klassische Ärger in Form einer Anzeige sei eine Legende.
Dieser Artikel ist auf der Jugendseite von Weilheimer Tagblatt, Penzberger Merkur und Schongauer Nachrichten erschienen. Fotos: Diakonie Herzogsägmühle, Illlustration: Peter Schlickenrieder.












