Sonnenrot (3): Notwists kleine Wassermusik

Jul 20th, 2010 | By Christoph Ulrich | Category: Festival, Musik

„Weilheim! Weilheim! Weilheim…!“ Die Mitbegründer der Hamburger Schule, „Tocotronic“, hatten gerade ihren Auftritt auf der „East Stage“ des Sonnenrot-Festivals beendet, da forderten die Fans vor der „West Stage“ schon nach den Helden aus der anderen deutschen Musikstadt: „The Notwist“. Schwerer Regen prasselte zu diesem Zeitpunkt schon seit Stunden auf das Festivalgelände am idyllischen Echinger Weiher, und so traten Micha & Markus Acher, Martin Gretschmann und Andi Haberl mit Livegitarrist Max Punktezahl und Karl Ivar Refseth (sonst beim Andromeda Mega Express Orchestra aktiv) am Vibraphon vor nicht mehr ganz so viele Festivalbesucher wie die Bands am Nachmittag. Aber dafür auf so gut wie alle, die auf dem Gelände waren.

 „Tausend Dank fürs jetzt noch vor der Bühne stehen!“, begrüßte Markus Acher die Fans. Darunter – wie immer – eine hohe Prozentzahl „echter Weilheimer“. Manche hatten im Vorfeld zwar Bedenken, dass die Konzerte im Studio 1 des Bayerischen Rundfunks im April 2010 eigentlich nicht zu übertreffen waren. Aber das mussten „The Notwist“ auch nicht. Lieber zeigten sie, wie viele Facetten „Notwist“- Konzerte haben können: Aus den schnellen Nummern ließen sie den Druck und gaben Raum für elektronische Elemente. Dafür nutzten sie Midtempo-Songs wie „Pilot“ für tanzbare Remix-Passagen, in der Gretschmann sich sogar zu kurzen Bastard-Pop-Mixen hinreißen ließ und „Last Night a DJ Saved My Life“ dazumischte. Den Fans gefiel’s: Über so viel Spielfreude vergaßen sie den Regen und tanzten die vollen anderthalb Stunden zu Notwists kleiner Wassermusik. 

Erschienen auf der Kulturseite des Weilheimer Tagblatts (Münchner Merkur), 19. Juli 2010.

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