Sonnenrot (2): Weilheimer Sonnenausklang
Jul 19th, 2010 | By Christoph Ulrich | Category: Festival, MusikWolken waberten über Eching an diesem Juli-Samstagvormittag. Nach einer weitgehend trockenen Nacht herrschte Katerstimmung auf dem Campingplatz. Zu schön war der erste Sonnenrot-Tag gewesen: schön, aber auch anstrengend. Durch die hohe Quote sehenswerter Bands waren die Beine schwer und durch die hohe Dichte partytauglicher Musik der Kopf schwer. Dazu dräute ein Wetterbericht, der nicht so ganz dazu passen wollte, dass für die Nach-Festival-Woche wieder flotte 30 Grad angesagt waren: Ergiebige Regenfälle und bis auf 17 Grad sinkende Temperaturen wurden angesagt.
Doch spätestens beim knochentrockenen Trio-Rock, den Danko Jones in üblicher Bad-Boy-Of-The Blues-Manier von der East stage prügelte, war das Festivalgelände wieder stattlich befüllt und der Vortages-Kater verjagt. Höchste Zeit, denn in Form von WhoMadeWho gab es beachtenswerte Minimal-Pop-Klänge zu hören, bevor die Sonnenrot-Dauergäste The Sounds die Bühne betraten. Und als ob die große, grinsende Gummisonne über der Hauptbühne wusste, was wettertechnisch kommen würde, legte sie sich schlafen – und kurz darauf öffnete der Himmel die Schleusen.
Ums kurz zu machen: Es regnete. Es regnete während der fabulösen Kostüm-Indie-Rock-Show von Bonaparte, die sich zwischen Rage Against The Machine, Burlesque-Theater und Deichkind vorarbeiteten, es regnete während Tocotronic und es regnete während The Notwist. Wo bei Bonaparte noch die Mehrheit gegen die aufkommende Kälte antanzte, verließ während der, sagen wir, gemäßigten Form von Neuziger-Intelektuellenpop-Reminiszenz von Tocotronic, die meisten die Lust am Hüpfen.
Wer aushielt, konnte The Notwist in Hochform erleben, die richtig Show machten und einmal mehr bewiesen, wie herrlich und zu jedem Wetter passend das immerfrische “Chemicals”, das immerschöne “Consequence” und das dick groovende “This Room” klingen können und wie vielseitig die einzelnen Musiker zu agieren können. Während das Wasser herunterprasselte und der nasse Bühnenboden für technischen Aussetzer sorgte, so sympathisch gingen die Weilheimer damit um, und bescherten einen rundum gelungenen Auftritt, bevor Maximo Park und Adam Green das Festival beschlossen.
Glückliche Gesicher diesseits und jenseits der Bühnengräben lassen schon jetzt die Hoffnung auf ein ebenso reichhaltiges wie sympathisch gemachtes Sonnenrot 2011 hoffen. Dann aber gern mit zwei sonnenroten Festivaltagen – das schon mal als Vorab-Bitte an den Wettergott.














