Sonnenrot (1): Irischer Sonnenuntergang
Jul 17th, 2010 | By Christoph Ulrich | Category: Festival, MusikWenn irgendein Festival in diesem Sommer hervorragendes Wetter verdient hat, dann das Sonnenrot. Im Vorjahr fiel das Gelände heftigen Gewittern zum Opfer, am Ende des ersten Festivaltages musste damals das Sonnenrot evakuert werden. Beachtlich, dass man sich dieses Jahr mit einem noch größeren Line-Up wieder an den Echinger Weiher wagte. Obwohl… warum eigentlich nicht?
Mit dem Naherholungsgebiet bei Eching haben die Veranstalter ein idyllisches Fleckchen Erde inklusive Badeweiher gefunden, an dem man ein durchaus ziemlich großes Festival stattfinden lassen kann. Und mit dem guten Händchen, das sie in Sachen “Bandauswahl” bereits in den Vorjahren bewiesen haben, ist das Sonnenrot zu einem überregional renommierten Festival mit Charme avanciert.
Nürnberg, die Effel, Berchtesgaden – die Nummernschilder auf dem Parkplatz bestätigen den Eindruck. Und bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke fiel am Freitag, 16. Juli, 13 Uhr, der Startschuss für das Sonnenrot 2010.
Und mit großen Namen ging man nicht sparsam um an diesem heißen, wunderschönen Freitagnachmittag: nach Itchy Poopzkit, dem notorischen Punkrocktrio aus Eislingen an der Fils, boten mitten in der größten Sommerhitze routinierten Einszwodreivier-Rock, der mal nach Green Day, mal nach No Use For A Name und bisweilen auch an Blink 182 erinnert. Gefolgt vom geigengestützen Indie-Pop von Get Well Soon, der bei weiterhin steigenden Temperaturen die Hitze aus dem Publikum nahm, baute man derweilen auf der größeren East Stage allerlei erlesenes Arbeitsgerät auf.
Seinen ersten echten Höhepunkt bescherten die walisischen Rocker von Stereophonics dem Sonnenrot: dicht an dicht fegten sie bei hervorragenden Soundbedingungen wiederum die Höhepunkte ihrer 13-jährigen Bandgeschichte von der Bühne – und zeigten eindrucksvoll, wie gut echter, ehrlicher Rock einem Festival tun kann. Wunschlos glücklich und mit leicht surrenden Ohren hinterließen sie die Fans – die ihren Applaus auch in Richtung Mischpult hätten richten sollen. Der Sound auf der East Stage sollte den ganzen Tag über hochkarätig bleiben.
Hand in Hand arbeitete man auf den beiden Bühnen: Während die Kilians strokes-esque Indierock-Hymnen auf der West-Stage spielten, baute man auf der East-Stage für die irisch-amerikanische Folk-Punk-Rock-Recken von Flogging Molly aus Los Angeles um. Ihr Spielplatz war gold wert, denn sie verwandelten vor einem blutrotorgangegelben Sonnenuntergang das Sonnenrot zur riesigen Partyfläche, auf der so ziemlich alles feierte, was irgendwie in Hörweite war.
Pech dann für Fans von Jan Delay: Während bei 2raumwohnung noch hochsommerliche Temperaturen herrschten und ein komisch gelbes Licht eine ganz, ganz eigenartige Atmosphäre erzeugte, wurde während des Intros von Jan Delay klar, woher es kam: Dicke, fette Regentropfen und gleißend über den Himmel zuckende Blitze flößten nicht nur dem Aufsprecher der Nation Nummer eins gehörig Respekt ein, sondern auch den Veranstaltern.
Sie brachen das Konzert ab und baten die Besucher, sich von metallischen Gegenständen – und vor allem vor der großen Bühne fernzuhalten. Nach einer guten Stunde Wetterpause beschlossen die Donots routiniert mit Party-Punkrock auf der Weststage den ersten Festivaltag, der alles bot, was man sich wünschen kann: bestes Wetter, Naturgewalten, ein beachtliches Line-Up und eine durch und durch geschmierte Organisation – ohne Wartezeiten, ohne Stress, mit viel Liebe zum Detail und Mut zum Neuanfang.















