Southside: Dendemann nervt, Sonne scheint

Jun 20th, 2010 | By | Category: Festival, Musik

Wer am Samstagmorgen im Zelt aufgewacht ist, der konnte ein vertraut gewordenes Geräusch wahrnehmen: Regen. Sowas könnte einem aber auch den Tag versauen. Muss es aber nicht. In Müllsäcke, Regenhosen, Ölzeug und vor allem Gummistiefel gekleidet, schälten sich tausende Southside-Besucher aus den Zelten – oder aus den Autos, die angesichts der schlammigen Campingwiesen von vielen pragmatischerweise zum Wohnmobil umfunktioniert wurden – und erwarteten das opulente Line-Up, das für den zweiten Festivaltag in Neuhausen ob  Eck einige Spezialitäten versprach. Dicken Rock am frühen Nachmittag zum Beispiel von der großartigen Band Of Skulls, die im Zelt ihre großartige Mischung aus britischen Melodien und ledzeppelinesken Hardrock boten.

Dicht gefolgt von einem gutgelaunten Anders Olof Wendin, besser bekannt als Moneybrother, der mit einem dreiviertelstündigen Set für süffige Melodien und allerlei gute Laune sorgte. Spätestens ab  “Joanna” hatte er das Publikum auf seiner Seite und bekundete glaubhaft, mordsmäßig Spaß zu haben. Konnte er auch, denn das Zeltpublikum gehorchte ihm auf Fingerzeig: Mitsingen, aus. Jubeln, aus. Beifall, aus. Ein bisschen erinnerte Wendin an einen Showmaster aus den Siebzigern, der sich eine wohlgewandete Band leistete. Statt munterer Unterhaltungssprüche gab’s sonnigen Schwedenpop.

Grund genug, mit einem dicken Grinsen im Gesicht die Red Stage im Zelt zu verlassen. Und gerade rechtzeitig, um mitzubekommen, dass sich der ewig nervende, kalte Regen verzog. Während Dendemann auf der Blue Stage mit prolligen Reimen nervte, schob sich sogar die Sonne zwischen den Wolken durch – um endlich eine Ahnung vom typischen Sommer-Sonne-Southside-Gefühl aufkommen zu lassen, das die treuen Festivalbesucher so schätzen. Mit den Füßen im Schlamm und der Nase in der Sonne ließen sich Konzerte von The Gaslight Anthem, Paramore und Madsen erleben, wahlweise The Temper Trap im Zelt.

Die Sonne verzog sich am bewölkten Horizont und ließ die Hoffnung keimen auf eine trockene Nacht – der Himmel zeigte sich weitgehend klar. Eine vielversprechende Kulisse für den angekündigten Headlinerauftritt von The Prodigy, der durch ein sehenswertes, explosives Set vom LCD Soundsystem eröffnet wurde. Es dauerte allerdings nicht lang, bis diese Hoffnung getrübt wurde: Schon nach den ersten Acid-Bässen keimte die Ahnung, dass da ein genrefremder Mischer seine Hände an den Reglern hatte: Prodigy, bekannt für dynamische Steigerungen und büll-laute Big Beats, bekamen einen Sound wie Radiohead verpasst: Nix knallte, nix bebte, nix rührte sich. Obwohl sich die beiden offenbar kaum gealterten Frontmänner Liam Howlett und MC Maxim sichtlich mühten und in bewährter Electropunk-Manier über die Bühne sprangen: der Funke indes sprang nicht so recht über.

So musste man sich eben doch wieder auf die bewährten Gitarrenwände verlassen, die von der Green Stage her sogar noch am Mischturm vor der Blue Stage den Prodigy-Sound übertönten: echte Berliner Wertarbeit von den Beatsteaks – tausendmal gehört, tausendmal bewährt – schufen echte Open-Air-Stimmung.

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