Dirk Darmstaedter: Dirk sings Dylan
Apr 24th, 2010 | By Christoph Ulrich | Category: MusikDarf der das? Braucht’s das? Wie klingt das? Fragen über Fragen angesichts der Tatsache, dass Tapete-Records-Gründer und Ex-Jeremy-Days-Frontman Dirk Darmstaedter ein Dylan-Tribut-Album aufgenommen hat.
Fangen wir von vorn an: Darmstaedter wuchs in den USA auf, wo sein Vater gern mal Klänge von Herb Alpert & The Tijuana Brass, Burt Bacharach oder Bob Dylan über die Treppenstufen hinauf ins Kinderzimmer wehen ließ. Als Songwriter beruft sich der mittlerweile in Hamburg lebende Darmstaedter auf gute, alte Folktraditionen und benennt Dylan als konstantes, modeunabhängiges Idol, vor allem durch die musikalisch oft fragwürdigen Achtziger. Insofern besteht nicht nur ein gewisses Verständnis, wenn ein Fan seinem Mentor Tribut zollt. Die Frage ist eher das “wie”? Und hier zeigt sich Darmstaedters Händchen: Er verzichtet vollkokmmen darauf, Dylan zu imitieren – ein Vorhaben, an dem bisher übrigens noch die meisten gescheitert sind. Denn niemand, so ein in Fachkreisen kursierender Spruch, “covert Dylan wie Dylan selbst”. Er nimmt die Songs vielmehr als das, was sie sind. Kehrt einmal den Mitsing-Faktor nach vorn, einmal beschränkt er sich, den Text dramatisch minimalistisch instrumentiert nachzuerzählen. Nur manchmal, ganz manchmal schießt er übers Ziel hinaus und verrät Dylan beinahe ans Formatradio (“It Ain’t Me, Babe”), die Gänsehaut-Version von “Boots Of Spanish Leather” macht dies aber locker wieder gut. Denn hier und in den neun anderen, weise ausgewählten Interpretationen, beweist er Fingerspitzengefühl. Also ja, der darf das.
Dabei wird immer wieder klar, wie genial und zeitlos Bob Dylans Songs eigentlich sind. Allein in dieser Auswahl steckt das Potential für das Lebenswerk so mancher erfolgreicher Band. Dass diese Botschaft zwischen den Zeilen immer wieder aufflackert wie die wacklige Neonreklame eines drittklassigen Motels in Duluth, Minnesota, ist eigentlich schon Grund genug, dass es das braucht. Außerdem bekommt man Lust, sich mal wieder den Originalen zu widmen, wofür übrigens kein Grund zu unwichtig ist. Und dann ist das Album einfach gut gemacht: Das Instrumentarium stimmt: Weitgehend akustisch eingespielt, gelegentliche Fender Rhodes, wo es dem Original bisweilen auch schon gut getan hätte. Bass, gelegentliche Backgrounds – weise platziert, polieren die Songs ein bisschen auf, ohne ihnen die geliebten Kanten zu nehmen. Vor allem bei den Erzähl-Orgien “Shelter From The Storm” oder “Sad Eyed Lady Of The Lowland” tut das gut, nimmt ihnen ein bisschen die Länge und hält sie interessant.
Wie diese warme, organisch Produktion klingt, ist die Frage, die sich am einfachsten beantworten lässt: gut, und damit nicht überflüssig. Deswegen darf Darmstaedter das und er soll das. Gern auf einem weiteren “Dirk sings more Dylan”-Album.
Tapete Records, www.dirkdarmstaedter.com











