The Faint: Fascination

Feb 4th, 2009 | By | Category: Musik

Wieder eine Band, die sich daran macht, 80er-Synthie-Pop mit Wave zu verkuppeln und das ganze Unterfangen mit Sounds aus der Neuzeit anzureichern. Wieder eine Band, die der seuchenartig um sich greifenden Achtzigerreminiszenz-Manie anheim gefallen ist. Wieder eine Band, die trotz aller Beteuerungen, etwas Neues in die Welt setzen zu wollen bei einer puren Retrospektive hängen bleiben und sich somit selbst überflüssig macht… Wirklich?

Die gängigen Vorurteile in diese Richtung, so wahr sie in 90 Prozent der Fälle auch sein mögen, passen auf dieses US-amerikanische Indie-Disco-Quintett nicht. Zwar mag es skurril erscheinen, wenn eine erfolgreiche Indie-Rock-Band plötzlich einen Synthesizer aufstellt und ihn auch noch lauter dreht als die Gitarren. Dennoch: Hier sprechen zwei Dinge dafür, der Platte eine Chance zu geben.

Erstens: der Labelsticker. “Saddle Creek” ist, ähnlich “Creation”, “Skint” oder “Sub Pop” in den Neunzigern, mehr als eine Firma, die nur Musik verkauft. Es ist eine Art Gütesiegel. Allein deswegen sei den Synthie-gegen-Gitarren-Eintauschern ein Ohr geliehen. Und schon beim ersten Song offenbart sich Zweitens: der Sound.

Todd Fink, Clark Baechle, Joel Peterson, Jacob Thiele und “Dapose” schaffen es tatsächlich, der ewiggleichen Indie-Electroclash-Mischung eine Facette abzugewinnen, die man nicht schon gefühlte zehntausendmal und in den Achtzigern schon viel zu oft gehört hat. Im Gegenteil: Das hier ist echt mal was richtig Neues. Gitarren, die sich um die Harmonien kümmern, hochklassig produzierte Beats, die intelligent genug sind, um nicht durch allzusehr zum Stilmittel erklärte Monotonie zu nerven. Dickes Schlagzeug und Hooklines machen eine Mixtur, die in Clubs genauso zuhause sein könnte wie auf der Bühne.

Gut. Wer sich ein bisschen einliest in die Materie, wird nicht so sehr überrascht sein. Seit nunmehr fünf Alben fusionieren die fünf Musiker erfolgreich Electro und Indie-Sound – mit wachsendem Erfolg. Das dritte Album “Danse Macabre” geriet zum Electroclash-Klassiker und bescherte weltweite Aufmerksamkeit. Dieses Album ist eine konsequente Weiterentwicklung dieses Klassikers hin zum modernen Indie-Sound. Gleich zwei gute Gründe, dieser Platte ein Ohr zu leihen.

Saddle Creek / www.thefaint.com

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