Daniel Hoeck: Zwischen Hip Hop und Mexiko
Dez 25th, 2008 | By Christoph Ulrich | Category: Musik, Porträt
Daniel Hoeck alias Dunn Ho Landrock
Wuchtige Bässe wummern aus dem Inneren des Clubs durch die gläserne Eingangstür. Daniel Hoeck lehnt mit einem Pils in der Hand am Geländer und schaut denen zu, die an ihm vorbei die Stufen hinab ins Nachtleben nehmen. Junge Damen in glitzernden Kostümchen staksen in Begleitung von Burschen in weiten Hosen hinab – Hoeck grinst und zieht an seiner Zigarette. Kein Wunder, dass ihn der Anblick pubertierender oberbayerischer Hip-Hop-Fans amüsiert: Er kommt gerade aus den USA zurück, wo er in Sachen „Promotion“ für „The Hustle, The Struggle, The Outcome“, die im September erscheinende CD des US-Rappers „Getalion“, unterwegs war. Ein paar Wochen hat er als dessen Produzent in einer „Hood“ (Straßenblock) verbracht – als einziger Weißer.
„Die waren echt fies drauf“, grinst er unter seiner Baseball-Mütze heraus – „wirklich kriminell“. „Viele Schwarze in den Südstaaten haben aufgrund immer noch herrschender Rassenvorbehalte keine Chance, einen gut bezahlten Job zu finden“, erklärt Hoeck. Es sei denn, sie bewältigten den Ausbruch aus den Verhältnissen durch Sport oder Musik. „Deswegen handeln die Ärmsten nebenbei mit Waffen und Drogen“ – auch ein Grund, wieso der Häuserblock für Nichtbewohner zur tödlichen Falle werden kann. Während der Fahrt in der Limousine vom Flughafen in die Vorstadt habe „Benimmregeln“ eingeschärft. Einen bewaffneten Bürgen habe er überdies gehabt. Erst nach ein paar Wochen war der Weilheimer anerkannt als „der weiße Produzent aus Germany“ und durfte sich frei bewegen.
Während der bemüht finster dreiblickende Hip-Hop-Jünger betont lässig durch die Tür verschwindet, entschuldigt sich Höck für den ungewöhnlichen Treffpunkt: „So läuft das bei mir meistens – Privat- und Berufsleben gehen ineinander über.“ Die Party hinter der Glastür ist Teil einer CD-Präsentation, zu der er eingeladen ist. „Ich habe meine Hobbys eben alle zum Beruf gemacht, da gibt es so etwas wie Privatleben nicht wirklich“, sagt der 30-Jährige und wirkt dabei so glücklich, wie ein junger Mann eben sein kann, der seine Leidenschaft zu Beruf gemacht hat.
Der gebürtige Weilheimer ist Produzent, Komponist und demnächst auch noch Musikverleger – seine Ein-Mann-Firma hat Anfang dieses Jahres mit der Münchner Medienproduktionsfirma „Framehaus“ fusioniert. Seit sich der Autodidakt vor vier Jahren selbstständig ins Musikgeschäft wagte, hat sich Einiges getan – vorläufiger Höhepunkt: Besagtes Album, für dessen Erscheinen er gerade die letzten Weichen stellt. „Ich war eigentlich immer schon ein kreativer Mensch“, sagt er über die Anfänge seiner Karriere, die im Kloster Schäftlarn ihren Anfang nahm. Im Dunstkreis der späteren „Emil Bulls“ unternahm er erste Schritte in einer Band. Die Freundschaft zu deren Sänger Christoph von Freydorf hält bis heute – Hoeck spielt in dessen Solo-Band „Flamingo“.
Später begann er sich für Hip Hop zu interessieren. Noch während seiner Ausbildung zum Werbekaufmann spielte er mit dem Gedanken, sein Hobby zum Beruf zu machen – „Grobraster“, seine damalige Hip-Hop-Band erhielt gerade einen Plattenvertrag und spielte teilweise vor 3000 Leuten. „Doch Musiker zu sein wirkt in Deutschland schmuddelig“, sagt er, nicht ohne Groll in der Stimme. „Es ist das alte Lied: Nur, wer kommerziellen Erfolg hat, ist wer.“ Um herauszufinden, wie man zu der Thematik in einem ganz anderen Teil der Welt steht, ging er 1999 für ein Dreivierteljahr nach Mexiko.
Man merkt Hoeck an, dass ihn der Aufenthalt dort geprägt hat. „Dort ist das Umfeld viel weniger auf Besitz ausgerichtet. Es interessiert nicht, welches Auto Du fährst; es zählt, ob Du ein netter Typ bist.“ Seinen heute besten Freund lernte er in Mexiko kennen; sogar eine Freundin hatte er dort – die Wehrpflicht rief ihn zurück nach Deutschland. Während seines Zivildiensts bei den Weilheimer „SOS Kinder- und Jugendhilfen“ fuhr er abends zum Praktikum in ein Tonstudio nach München. „Ich hoffte immer, dass sich jemand für meine Stücke interessiert und sagt, ,komm’ in mein Tonstudio, ich zeig’ Dir alles, bis Du Deine Musik selbst aufnehmen kannst“.

Dunn Ho Landrock und Gedalion
Dieser Gedanke ist ihm heute, als professioneller TV-Spot- und Musikproduzent, Triebfeder für ein ehrenamtliches Engagement an seiner ehemaligen Zivistätte. „Heute kann man technisch mit sehr einfachen Mitteln Musik machen“, erklärt er – deswegen biete ich den Jungs im Jugendhaus an, ihnen zu zeigen, wie man am Computer Musik produziert. Sein Konzept stellte er Ämtern und dem Rotary-Club vor, der das Unternehmen sponsert. „Die Idee ist, den Jugendlichen mit schwierigem Start ein Ventil zu geben“ – eine Erfolgsidee. Vergangenes Jahr erschien die erste CD der „Kellahkowboyz“ mit dem Titel „Teamgeist“.
Nun steht ein Musikproduzent nicht im Verdacht, selbst mit Langeweile kämpfen zu müssen. Und genau darin liegt der Grund für sein Engagement: „Wenn ich sehe, wie viel Spaß die Jugendlichen mit Musik haben, erinnert mich das daran, was mich selbst bewegt hat, Musik zum Beruf zu machen“. Dies helfe ihm in Phasen, wo das Geschäft ihn dazu zwingt, nächtelang am PC zu sitzen, um etwa einen Remix für die Sportfreunde Stiller fertigzubringen. „Es gibt mir unheimlich viel Kraft.“ Kraft, seine Familie und sein stressiges Berufsleben unter einen Hut zu bringen? „No comment!“, grinst Hoeck breit. Über sein Privatleben schweigt er beharrlich. „Das möchte ich aus diesem Medien-Dings raushalten“, sagt er. Dass er gerade ans Nordende des Ammersees gezogen ist, erzählt er in dem Zusammenhang, dass er es nicht mehr so weit in sein Studio in Ismaning habe. Sogar seinen richtigen Namen gibt er auf, wenn es ums Produzenten-Dasein geht: aus Daniel Hoeck ist ,Dunn Ho’ Landrock‘ geworden – ein Spitzname, den ihm die amerikanischen Rapper gegeben haben. „,Daniel Hoeck’ mag da keiner aussprechen“, erklärt er mit seinem typischen breiten Grinsen.
Wenn seine Akkus dann doch mal leer sind, setzt sich Meister Landrock in den Flieger nach Mexiko und besucht seinen besten Freund, der mittlerweile Anwalt ist und derzeit dabei ist, eine Partei für die Armen des Landes zu gründen. Solche Auszeiten geben ihm Gelegenheit für sein verbliebenes Hobby, das auf den ersten Blick nichts mit Musik zu tun hat. „Ich sammle Begegnungen mit starken Menschen, echten Persönlichkeiten und schöne Momente in der Natur“, sagt er ein wenig beschämt. Nur um zwei Sätze später zu erzählen, dass ihn Derartiges inspiriert – zu neuen Songs.
Text: Christoph Ulrich / Fotos: Privat, erschienen im Weilheimer Tagblatt (Münchner Merkur)










