Black Kids: Partie Traumatic

Sep 24th, 2008 | By | Category: Musik

Der Begriff “Retro” ist eigentlich bislang nicht ohne das Suffix “Rock” ausgekommen. Angesichts des erfolgreichen Debüts dieser fünf Jungspunde aus Jacksonville jedoch darf man auch von einer Retroisierung des Pop-Geschäfts sprechen. Nach dicken Beats, Hip-Hop-Samples und dem Motto “höher, schneller, lauter” berufen sich die Black Kids auf Werte, die Popmusik in den frühen Achtziger Jahren perfektionieren sollten.

Transparenz im Sound, ein gediegener Hang zur Melancholie, gepflegter Narzissmus in den Texten und dazu allgegenwärtige Synthie-Wolken als Versiegelung einer total künstlichen Klangwelt. Sogar Gitarren werden ihrer Natürlichkeit beraubt; jede wärmende Verzerrung ist ihnen genommen – kalt und mechanisch setzen sie den Kontrapunkt zu pulsierenden Basslinien über schleifendes Disco-Schlagzeug.

Dazu bieten Owen Holmes (Bass), Kevin Snow (Drums), Dawn Watley (Keyboards) und die Geschwister Ali (Keyboards) und Reggie Youngblood (Gesang, Gitarre) Stimmen, die sich den Vergleich mit Robert Smiths Leadvocals bei The Cure beziehungsweise den Backgroundvocals von Human League gefallen lassen müssen – womit wir auch schon bei der richtigen Ecke Musik wären. Die dank Suede-Held Bernard Butler perfekt produzierte Pop-Platte bedient sich sehr offensichtlich und unverhohlen an Rezepten, die bereits Frühachtziger-Synthie-Pop-Bands zu Erfolg verhalfen.

Was dieses Album so ärgerlich wie erfreulich macht. Ärgerlich, weil es absolut nichts Neues ist und im Gegenteil mit neuen Songs in einer alten Soundwelt wildert – einer Soundwelt, die man auch als vollkommen überflüssig und wenig wegweisend in der Geschichte der Musik bezeichnen kann. Und erfreulich, weil es zwischen The Killers, Arctic Monkeys und, mit Verlaub, den Pet Shop Boys, eine weitere Facette zum aktuellen Indie-Disco-Sound hinzufügt, die es in dieser Form noch nicht gibt. Und erfreulich, weil Popmusik bekanntlich keinem was zuleide tut und die Songs eine willkommene Abwechslung im verstaubten Formatradio wären.

22. August 2008 / Universal Music / www.blackkids.com

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