Musikbücher für den Herbst

Sep 8th, 2008 | By | Category: Buch, Musik

Was hat uns dieser Sommer verwöhnt mit schönen Tagen, die mit MP3-Player in der Tasche und Musikmagazin in der Hand am See gleich noch schöner waren. Jetzt kommt der Herbst und am See wird’s frisch – ab nach Hause und vor die Glotze? Mitnichten. Denn spannender als jede Vollidiotensuchendendiedassuperpopstarmodel-Show sind folgende drei Bücher. Zumindest für Leute, die was von Musik verstehen.

Zum Beispiel Amy, Amy, Amy – Die Amy Winehouse-Story. Bei aller ausschweifenden Berichterstattung über vermeintlich berichtenswerte Ausschweifungen der Soul-Sängerin im könnte man meinen, eh schon alles über sie zu wissen. Weit gefehlt. Der Journalist Nick Johnstone lässt einblicken in eine Zeit, bevor Crack-Pfeife und Schnapsglas zu Insignien des stimmvolumigen Klappergestells wurden. Vor allem Details aus der Produktion von “Frank”, dem ersten Winehouse-Album, und Produktionsnotizen aus der Entstehungszeit des modernen Klassikers “Back To Black” offenbaren Interessantes, ohne, natürlich, die Winehousschen Exzesse auszusparen.
Bosworth Edition / 172 Seiten / 12,99 €

Wer tiefer eindringen will in die schwarze Musik und richtig was lernen will über Musikgeschichte, sollte sich Mike Evans’ Ray-Charles-Bio Ray Charles – Die Geburt des Soul zu Gemüte führen. Auch Brother Rays Vita ist beherrscht von Musik, Drogen, Problemen und Schlagzeilen, und irgendwie kann man nicht umhin, die Parallelen zur Amy-Winehouse-Saga festzustellen, wenn man die beiden Bücher nacheinander liest. Inhaltlich weiß man, klar, Vieles schon aus dem oskargekrönten Meisterwerk “Ray”. Aber ein Buch hat nunmal den Vorteil, sich nicht um Laufzeit scheren zu müssen. Evans nutzt die Chance und vertieft kritische Passagen, die einfach zu komplex sind, um sie mit zwei Tränen, einem Schnitt und dramtischer Hintergrundstreicher zu lösen. Unbedingt begleitend dazu die jeweiligen Platten des Soul-Genies auflegen!
Bosworth Edition / 335 Seiten / 19,90 €

Einer, der derzeit auch hin und wieder in den Schlagzeilen auftaucht, ist Ron Wood – Rock-Urgestein und Mitglied der dienst- und gesichtsältesten Rockband der Welt, den Rolling Stones. Die Geschichte seines aktuellen Scharmützels ist schnell erzählt: Im Juli begab sich der rüstige Rocker mit einer kasachischen Barfrau names Ekaterina Ivanova nach Irland auf eine zweiwöchige Sauftour. Die oftbesungene Ehefrau Jo appellierte derweil per Pressekonferenz an den Feiernden, er möge sich doch zunächst auf Entzug und danach zurück zu seiner Familie bewegen. Wood, nach zwei Wochen Ausnüchterung, fand Ivanova jedoch auch nüchtern noch heißer als seine Frau und zog mit ihr in seine Londoner Stadtwohnung. So und so ähnlich, nur umfassender, liest sich Ronnie, die Autobiografie des ehemaligen Mitglieds unter anderem der Jeff Beck Group und der Faces. Ein heiteres Episodensammelsurium, das sich sehr amüsant und kurzweilig anbietet, kühle Herbstabende bei knackigem Vinylknacksen und alten Faces-Platten zu verbringen. Aufgrund der schönen Aufmachung und der stattlichen über 400 Seiten ein gutes Preis-Leistungsverhältnis!
Heyne / 410 Seiten / 19,95 €

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